Berlin, 27. Januar 2025 – Während die Diskussion um Teilzeit und Arbeitsanreize derzeit Politik, Medien und Öffentlichkeit beschäftigt, zeigt eine neue Pflegia-Analyse, wie ausgeprägt der Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten in der Pflege tatsächlich ist. 41,5 Prozent aller Befragten möchten weniger als 30 Stunden pro Woche arbeiten. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei Frauen (43,9 %) im Vergleich zu Männern (39 %) sowie in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen und über 55-Jährigen mit jeweils 43,5 %. „Die aktuelle Teilzeit-Debatte wird an der Pflege vorbeigeführt. Unsere Studie zeigt deutlich, dass viele bewusst weniger als 30 Stunden arbeiten wollen, weil die tägliche körperliche und emotionale Belastung sonst nicht dauerhaft leistbar ist und Vollzeitmodelle oft an ihrer Lebensrealität vorbeigehen. Wer diese Wünsche ignoriert, verschärft den Fachkräftemangel und treibt qualifizierte Pflegekräfte aus dem Beruf“, sagt Pflegia-Geschäftsführer Felix Westphal.
Kinderkrankenpflege führt das Teilzeit-Ranking an
Die Analyse macht Unterschiede zwischen den Berufsfeldern deutlich: Kinderkrankenpfleger:innen wünschen sich am häufigsten reduzierte Arbeitszeiten (45,3 %), gefolgt von Altenpflegefachkräften (43,5 %) und Pflegehilfskräften (42,9 %). Bei Führungskräften zeigt sich ein anderes Bild: Lediglich 15,7 % der Einrichtungsleitungen möchten unter 30 Stunden arbeiten, bei Pflegedienstleitungen sind es 18,5 %. „Je höher die Verantwortung, desto geringer der Teilzeitwunsch – das zeigt, dass Führungspositionen in der Pflege noch stark von Vollzeitmodellen geprägt sind“, erklärt Westphal.
Altersstruktur überrascht: Gen Z am wenigsten teilzeitaffin
Entgegen gängigen Erwartungen sind nicht die jüngsten Pflegekräfte am stärksten teilzeitorientiert. Während nur 32,7 % der unter 25-Jährigen, also Gen Z, weniger als 30 Stunden arbeiten möchten, liegen die Werte bei allen höheren Altersgruppen darüber. Auch die Gruppen 35-44 Jahre (41,4 %) und 45-54 Jahre (39,8 %) zeigen vergleichsweise hohe Teilzeitwünsche.
„Diese Altersverteilung spiegelt verschiedene Lebensphasen wider. In den Dreißigern dominieren Familienplanung und Work-Life-Balance-Wünsche, während erfahrene Pflegekräfte über 55 oft bewusst kürzer treten möchten“, so Westphal. Weiter sagt der Pflegia-Geschäftsführer: „Dass gerade die unter 25-Jährigen den geringsten Wunsch nach Teilzeit zeigen, widerspricht zudem dem verbreiteten Vorwurf, die Gen Z wolle nicht arbeiten.“
Download der Grafik zur journalistischen Verwendung:
https://drive.google.com/file/d/1ycbTXHI682KRmc96_dS_A7uvKLG1X2v5/view?usp=sharing
Frauen sind häufiger teilzeitorientiert
Mit 43,9 Prozent wünschen sich mehr Frauen als Männer (39 %) eine Arbeitszeit unter 30 Stunden. Das könnte sowohl an traditionellen Rollenverteilungen in der Kinderbetreuung als auch an den hohen Belastungen pflegeintensiver Tätigkeiten liegen.
„Der Teilzeittrend ist nicht nur ein Personalthema, sondern auch ein gesellschaftliches Signal. Pflegekräfte wollen trotz Fachkräftemangel nicht unbegrenzt verfügbar sein“, resümiert Westphal und gibt zu denken: „Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die echte Vereinbarkeit ermöglichen – nur dann können Einrichtungen im Wettbewerb um Talente bestehen.“
Über die Datenanalyse
Für diese Analyse wurden anonymisierte Daten von 101.482 aktiven Pflegekräften ausgewertet, die sich zwischen dem 20. September 2024 und dem 20. September 2025 auf der Plattform Pflegia eingeloggt oder registriert haben. Die Stichprobe umfasst elf Berufsgruppen: Altenpflegefachkraft, Einrichtungsleitung, Hebamme, Hygienefachkraft, Kinderkrankenpfleger:in, Pflegedienstleitung, Pflegedirektion, Pflegefachkraft, Pflegehilfskraft, Stationsleitung und Wohnbereichsleitung. Die Berufserfahrung ist unterteilt in: keine Erfahrung (0 Jahre), Einsteiger (1-2 Jahre), mittlere Erfahrung (3-10 Jahre) und erfahrene Kräfte (über 10 Jahre).
Pflegia ist eines der führenden Jobportale für Pflegekräfte. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin wurde 2019 von Felix Westphal, Lennart Steuer und Masoud Shahryari gegründet und verfolgt das Ziel, mehr Transparenz und Fairness in den Bewerbungsprozess im Pflegesektor zu bringen. Kern des Modells ist ein umgedrehter Bewerbungsprozess: Arbeitgeber bewerben sich bei den Pflegekräften, nicht andersherum. Damit soll die klassische Rollenverteilung aufgebrochen und ein stärkerer Fokus auf die Bedürfnisse der Pflegekräfte gelegt werden. Ergänzend dazu bietet Pflegia Informationen zu Gehältern, Arbeitszeiten und weiteren Bedingungen, um die Vergleichbarkeit und Entscheidungsfindung für Bewerbende zu erleichtern. Das Unternehmen setzt auf eine erfolgsbasierte Preisstruktur für Arbeitgeber und kombiniert technische Automatisierung – etwa durch KI-gestützte Lebenslaufverarbeitung – mit persönlicher Begleitung auf beiden Seiten des Marktplatzes. Monatlich vermittelt Pflegia derzeit rund 1.000 Pflegekräfte an Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet. Aktuell nutzen über 700.000 Pflegekräfte und rund 7.500 Arbeitgeber die Plattform, auf der etwa 30.000 offene Stellen ausgeschrieben sind.