Tonka

Credit: Jonathan Borba
Berlin, 06. Mai 2026

Pflege-Analyse: Elterndienste vor allem von Frauen gefragt

Auf einen Blick

  • Pflegia analysiert Nachfrage und Angebot von familienfreundlichen Elterndiensten in der Pflege
  • 13 Prozent der weiblichen Pflegekräfte und drei Prozent der Männer wünschen sich familienorientierte Dienstmodelle
  • Arbeitgeber in Baden-Württemberg und in der Physiotherapie mit dem besten Angebot

Berlin, 6. Mai 2026 – Sogenannte Elterndienste, früher oft als „Muttidienste“ bezeichnet, sind Arbeitszeitmodelle in der Pflege, die sich gezielt an den Betreuungszeiten von Kindern orientieren. Doch wer nutzt diese Modelle tatsächlich und wie verbreitet sind die entsprechenden Angebote auf der Arbeitgeberseite? Die Jobplattform Pflegia (www.pflegia.de) hat untersucht, in welchen Bundesländern Einrichtungen entsprechende Modelle vermehrt anbieten und wie stark die Elterndienste von Bewerber:innen nachgefragt werden. Demnach wünschen sich über 13 Prozent der weiblichen Jobsuchenden einen Elterndienst, bei den Männern sind es knapp drei Prozent. Einrichtungen in Baden-Württemberg kommen dem Wunsch eines Elterndienstmodells am häufigsten nach.

Nur sechs Prozent der Männer wünschen sich einen Elterndienst
Trotz eines steigenden Männeranteils bleibt die Pflege klar weiblich dominiert. Eine Auswertung von 35.745 Jobprofilen durch die Jobplattform Pflegia zeigt, dass knapp 79 Prozent der Bewerber:innen weiblich sind, nur 21 Prozent männlich. Auch in der Kinderbetreuung ist vermehrt zu beobachten, dass mehr Männer Verantwortung übernehmen. Doch spiegelt sich diese Entwicklung auch in der Nachfrage nach Elterndiensten wider? Lediglich 219 männliche Pflegekräfte wünschen sich explizit einen Elterndienst, was einem Prozentsatz von fast 6 Prozent entspricht. Demgegenüber stehen 3.688 weibliche Pflegekräfte, die mit 94 Prozent den überwiegenden Teil der Nachfrage ausmachen. 

Über ein Drittel der Arbeitgeber bieten Elterndienste an
Ein Blick auf das Angebot der Einrichtungen zeigt, dass etwas über 31 Prozent der Arbeitgeber Elterndienste anbieten. Überdurchschnittlich verbreitet sind entsprechende Modelle in Nordrhein-Westfalen, wo 37 Prozent der Einrichtungen Elterndienste anbieten, sowie in Bremen mit fast 36 Prozent und in Bayern mit 34 Prozent. Am seltensten sind sie in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und im Saarland mit jeweils 26 Prozent verbreitet.

Physiotherapie am familienfreundlichsten
Zwischen den verschiedenen Einrichtungstypen zeigen sich ebenfalls Unterschiede beim Angebot von Elterndiensten. Besonders verbreitet sind sie in der Physiotherapie, wo fast 94 Prozent der Einrichtungen entsprechende Modelle anbieten. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Rehabilitationskliniken mit gut 44 Prozent und Krankenhäuser mit rund 42 Prozent. Am seltensten sind familienfreundliche Wunschdienste hingegen in der ambulanten Intensivpflege und in der Zeitarbeit mit jeweils rund 15 Prozent sowie auf Intensivstationen mit fast 17 Prozent verbreitet.

„Die Auswertung zeigt deutlich, dass der Bedarf an Elterndiensten in der Pflege weiterhin stark von Frauen ausgeht. Während nur knapp sechs Prozent der männlichen Pflegekräfte gezielt nach solchen Arbeitsmodellen suchen, liegt der Anteil bei Frauen deutlich höher”, betont Felix Westphal, Geschäftsführer bei Pflegia. „Mehr als ein Drittel der Einrichtungen bietet bereits entsprechende Modelle an, allerdings zeigen sich je nach Versorgungsbereich deutliche Unterschiede. So sind Elterndienste in der Physiotherapie aufgrund planbarer Arbeitszeiten und geringerer Schichtbindung vergleichsweise leicht umzusetzen, wohingegen sie in Bereichen wie der Intensivpflege deutlich häufiger an strukturelle Grenzen stoßen. Dies kann an der Rund-um-die-Uhr-Versorgung und der hohen Personalbindung liegen.“

Die gesamte Untersuchung inkl. sämtlicher Ergebnisse ist unter folgendem Link zu finden:
https://www.pflegia.de/magazin/article/pflege-analyse-elterndienste-vor-allem-von-frauen-gefragt/

Über die Untersuchung
Die Datengrundlage der Auswertung bilden die anonymisierten Profile von 35.745 Bewerber:innen, die sich zwischen dem 15.04.2025 und dem 15.04.2026 beim Jobportal Pflegia registriert haben. Die Daten zum Elterndienst-Angebot basieren auf 3.369 Arbeitgebern, die ebenfalls auf der Plattform registriert sind.

Über Pflegia

Pflegia ist eines der führenden Jobportale für Pflegekräfte. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin wurde 2019 von Felix Westphal, Lennart Steuer und Masoud Shahryari gegründet und verfolgt das Ziel, mehr Transparenz und Fairness in den Bewerbungsprozess im Pflegesektor zu bringen. Kern des Modells ist ein umgedrehter Bewerbungsprozess: Arbeitgeber bewerben sich bei den Pflegekräften, nicht andersherum. Damit soll die klassische Rollenverteilung aufgebrochen und ein stärkerer Fokus auf die Bedürfnisse der Pflegekräfte gelegt werden. Ergänzend dazu bietet Pflegia Informationen zu Gehältern, Arbeitszeiten und weiteren Bedingungen, um die Vergleichbarkeit und Entscheidungsfindung für Bewerbende zu erleichtern. Das Unternehmen setzt auf eine erfolgsbasierte Preisstruktur für Arbeitgeber und kombiniert technische Automatisierung – etwa durch KI-gestützte Lebenslaufverarbeitung – mit persönlicher Begleitung auf beiden Seiten des Marktplatzes. Monatlich vermittelt Pflegia derzeit rund 1.000 Pflegekräfte an Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet. Aktuell nutzen über 700.000 Pflegekräfte und rund 7.500 Arbeitgeber die Plattform, auf der etwa 30.000 offene Stellen ausgeschrieben sind.

 
Pia Senkel
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