Tonka

Berlin, 29. Januar 2026

Abschiebungspläne gefährden die Pflege: Viele internationale Fachkräfte kommen aus Syrien und Afghanistan

Auf einen Blick

  • Pflegia untersucht Herkunft und Sprachkenntnisse von ausländischen Pflegekräften
  • Die meisten Anwärter:innen kommen aus Syrien, der Ukraine, der Türkei und Afghanistan
  • Mehr als die Hälfte verfügt über ein mittleres bis hohes Sprachniveau 

Berlin, 29. Januar 2026 – In der Pflege besteht seit Jahren ein flächendeckender Fachkräftemangel. Gleichzeitig wird auf politischer Ebene aktuell über eine Verschärfung der Abschiebepraxis diskutiert. Eine aktuelle Untersuchung von Pflegia (www.pflegia.de) zeigt, dass viele Pflegekräfte aus Syrien oder Afghanistan stammen und somit dem deutschen Pflegemarkt verloren gehen könnten. Die Grundlage der Erhebung bilden die Profile von mehr als 21.000 Jobsuchenden ohne deutschen Pass.

Syrien, Ukraine, Türkei und Afghanistan führen Herkunftsranking an
Die meisten internationalen Pflegekräfte stammen mit 2.589 Bewerber:innen aus Syrien, was einem Anteil von 12,28  Prozent aller erhobenen Datensätze entspricht. An zweiter Stelle folgt die Ukraine mit 1.789 Stellensuchenden (8,49  Prozent), gefolgt von der Türkei auf Platz 3 mit 1.391 (6,6  Prozent). Auf den weiteren Rängen liegen Afghanistan (1.268 Bewerber:innen), Indien (816), Polen (759), Rumänien (757), Marokko (702), der Irak (679) und der Iran (644). “Die Analyse zeigt, dass es viele Fachkräfte aus Krisenregionen gibt, die aktiv nach neuen Stellen suchen und dem Fachkräftemangel so entgegenwirken”, stellt der Gründer von Pflegia, Felix Westphal, fest. 

Sehr gutes Sprachniveau von Fachkräften aus Österreich, Portugal und Italien
Entscheidend für den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt ist neben der fachlichen Qualifikation die Sprachkompetenz. Laut der aktuellen Erhebung geben 9,25 Prozent der Bewerber:innen an, über ein hohes Sprachniveau in Deutsch zu verfügen. 44,3 Prozent schätzen ihre Deutschkenntnisse als mittel, 43,92 Prozent als niedrig ein. Lediglich 2,53 Prozent geben an, kein Deutsch zu sprechen. Der Anteil an Arbeitssuchenden mit hohen Deutschkenntnissen liegt bei Personen aus Österreich erwartungsgemäß bei 100 Prozent. An zweiter Stelle folgt Portugal mit 48,1 Prozent, gefolgt von Italien mit 36,5  Prozent auf Platz drei. Dahinter liegen die Türkei mit 30,7 Prozent und Griechenland mit 30,16 Prozent, jeweils bezogen auf alle Bewerber:innen aus dem jeweiligen Herkunftsland. Pflegekräfte aus Krisen- und Konfliktländern schätzen ihre Deutschkenntnisse überwiegend als mittel bis sehr gut ein: 55,44 Prozent der Bewerber:innen aus Afghanistan und 48,82 Prozent aus Syrien erreichen ein durchschnittliches bis überdurchschnittliches Sprachniveau.

„Bei einer möglichen Erleichterung von Abschiebungen könnte das deutsche Pflegesystem spürbar belastet werden“, warnt Felix Westphal, Gründer von Pflegia. „Unsere Daten zeigen klar: Diese Menschen wollen arbeiten, bringen die nötige Qualifikation mit und sprechen mehrheitlich bereits gut Deutsch. Wer sie verliert, gefährdet, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb um Pflegekräfte den Anschluss verliert. Angesichts des demografischen Wandels in Deutschland hätte das langfristig schwere Folgen.“

Über die Untersuchung
Die Datengrundlage der Auswertung bilden die anonymisierten Profile von 21.287 internationalen Bewerber:innen aus dem Pflegebereich, die sich von November 2024 bis November 2025 beim Jobportal Pflegia neu registriert haben. Analysiert wurden unter anderem die Herkunftsländer und selbst eingeschätzte Deutschkenntnisse. Berücksichtigt wurden ausschließlich Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit.

Über Pflegia

Pflegia ist eines der führenden Jobportale für Pflegekräfte. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin wurde 2019 von Felix Westphal, Lennart Steuer und Masoud Shahryari gegründet und verfolgt das Ziel, mehr Transparenz und Fairness in den Bewerbungsprozess im Pflegesektor zu bringen. Kern des Modells ist ein umgedrehter Bewerbungsprozess: Arbeitgeber bewerben sich bei den Pflegekräften, nicht andersherum. Damit soll die klassische Rollenverteilung aufgebrochen und ein stärkerer Fokus auf die Bedürfnisse der Pflegekräfte gelegt werden. Ergänzend dazu bietet Pflegia Informationen zu Gehältern, Arbeitszeiten und weiteren Bedingungen, um die Vergleichbarkeit und Entscheidungsfindung für Bewerbende zu erleichtern. Das Unternehmen setzt auf eine erfolgsbasierte Preisstruktur für Arbeitgeber und kombiniert technische Automatisierung – etwa durch KI-gestützte Lebenslaufverarbeitung – mit persönlicher Begleitung auf beiden Seiten des Marktplatzes. Monatlich vermittelt Pflegia derzeit rund 1.000 Pflegekräfte an Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet. Aktuell nutzen über 700.000 Pflegekräfte und rund 7.500 Arbeitgeber die Plattform, auf der etwa 30.000 offene Stellen ausgeschrieben sind.

 
Pia Senkel
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