Berlin, 23. Januar 2026 – Die Pflege in Deutschland wird immer internationaler – insbesondere dort, wo Fachkräfte aktiv nach neuen Stellen suchen. Eine aktuelle Pflegia-Analyse von über 101.000 Jobsuchenden zeigt: Ein Drittel (33,2 Prozent) der registrierten Pflegekräfte hat keinen deutschen Pass. Besonders stark ausgeprägt ist dieser Trend bei Berufseinsteiger:innen ohne Erfahrung: Mehr als jede zweite neue Pflegekraft (53,3 Prozent) kommt aus dem Ausland.
„Unsere Daten spiegeln nicht den Gesamtmarkt, sondern vor allem die Pflegekräfte wider, die aktiv auf Jobsuche sind“, erklärt Pflegia-Geschäftsführer Felix Westphal und sagt: „Gerade hier zeigt sich, dass internationale Pflegekräfte eine Schlüsselrolle beim Nachwuchs spielen, ohne sie wäre die Fachkräftesicherung kaum denkbar.“
Internationale Fachkräfte stärken Vielfalt
Die Analyse zeigt Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 39,1 Prozent der männlichen Pflegekräfte haben keinen deutschen Pass, bei den Frauen sind es 21,9 Prozent. Internationale Fachkräfte erhöhen damit die Vielfalt in der Pflege – sowohl in Bezug auf kulturelle Hintergründe als auch in der Geschlechterverteilung in einem traditionell weiblich dominierten Berufsfeld.
Ungenutztes Potenzial: Internationale Pflegekräfte oft nur als Hilfskräfte eingesetzt
Je operativer die Tätigkeit, desto höher der Anteil internationaler Fachkräfte: 36,6 Prozent der Pflegehilfskräfte haben keinen deutschen Pass, bei Pflegefachkräften liegt der Anteil bei 27,1 Prozent. In Führungspositionen dagegen dominieren weiterhin Pflegekräfte mit deutscher Staatsbürgerschaft – nur sieben Prozent der Einrichtungsleitungen und 9,6 Prozent der Pflegedienstleitungen kommen aus dem Ausland.
„Viele internationale Pflegekräfte starten als Hilfskräfte, obwohl sie aus ihren Herkunftsländern oft Erfahrung und Qualifikationen mitbringen“, so Westphal. Er erklärt: „Häufig liegt das an langwierigen Anerkennungsverfahren und fehlenden Unterstützungsstrukturen. Gerade darin liegt aber auch eine Chance. Mit gezielter Integration, beschleunigten Anerkennungen und Weiterbildungen können Einrichtungen nicht nur zusätzliche Fachkräfte gewinnen, sondern internationalen Kolleg:innen auch echte Aufstiegs- und Zukunftsperspektiven eröffnen.“
Nachwuchs-Trend: Zukunft der Pflege ist international
Besonders deutlich wird der Trend in den jüngeren Generationen: Bei Berufseinsteiger:innen ohne Erfahrung ist die Mehrheit international (53,3 Prozent). Mit zunehmender Berufserfahrung sinkt der Anteil: Bei mittleren Jahrgängen (3–10 Jahre Erfahrung) liegt er noch bei 23,1 Prozent, bei über 10 Jahren nur noch bei 11,9 Prozent.
„Die Pflege von morgen wird international geprägt sein – das zeigen unsere Daten klar“, betont Westphal und erklärt: „Umso wichtiger ist es, diese Pflegekräfte von Anfang an gut zu integrieren und langfristige Entwicklungsperspektiven zu schaffen.
Über die Datenanalyse
Für diese Analyse wurden anonymisierte Daten von 101.482 aktiven Pflegekräften ausgewertet, die sich zwischen dem 20. September 2024 und dem 20. September 2025 auf der Plattform Pflegia eingeloggt oder registriert haben. Die Stichprobe umfasst elf Berufsgruppen: Altenpflegefachkraft, Einrichtungsleitung, Hebamme, Hygienefachkraft, Kinderkrankenpfleger:in, Pflegedienstleitung, Pflegedirektion, Pflegefachkraft, Pflegehilfskraft, Stationsleitung und Wohnbereichsleitung. Die Berufserfahrung ist unterteilt in: keine Erfahrung (0 Jahre), Einsteiger (1-2 Jahre), mittlere Erfahrung (3-10 Jahre) und erfahrene Kräfte (über 10 Jahre).
Pflegia ist eines der führenden Jobportale für Pflegekräfte. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin wurde 2019 von Felix Westphal, Lennart Steuer und Masoud Shahryari gegründet und verfolgt das Ziel, mehr Transparenz und Fairness in den Bewerbungsprozess im Pflegesektor zu bringen. Kern des Modells ist ein umgedrehter Bewerbungsprozess: Arbeitgeber bewerben sich bei den Pflegekräften, nicht andersherum. Damit soll die klassische Rollenverteilung aufgebrochen und ein stärkerer Fokus auf die Bedürfnisse der Pflegekräfte gelegt werden. Ergänzend dazu bietet Pflegia Informationen zu Gehältern, Arbeitszeiten und weiteren Bedingungen, um die Vergleichbarkeit und Entscheidungsfindung für Bewerbende zu erleichtern. Das Unternehmen setzt auf eine erfolgsbasierte Preisstruktur für Arbeitgeber und kombiniert technische Automatisierung – etwa durch KI-gestützte Lebenslaufverarbeitung – mit persönlicher Begleitung auf beiden Seiten des Marktplatzes. Monatlich vermittelt Pflegia derzeit rund 1.000 Pflegekräfte an Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet. Aktuell nutzen über 700.000 Pflegekräfte und rund 7.500 Arbeitgeber die Plattform, auf der etwa 30.000 offene Stellen ausgeschrieben sind.