Tonka

Credit: Árpád Czapp
Lutherstadt Wittenberg, 02. April 2026

Änderung der Apothekenbetriebsordnung: Neue Versandregeln würden Arzneimittel für Patienten deutlich verteuern

Derzeit plant die Bundesregierung im Rahmen der Apothekenreform eine Änderung der Apothekenbetriebsordnung, die auch den Versand von Arzneimitteln betrifft. Vorgesehen sind unter anderem strengere Vorgaben für Transport, Temperaturüberwachung und Dokumentation entlang der gesamten Lieferkette. Die neuen Regelungen sollen nicht nur für Botendienste stationärer Apotheken gelten, sondern ausdrücklich auch für Versandapotheken – einschließlich Anbieter aus anderen EU-Mitgliedstaaten. Die Verordnung befindet sich aktuell im Notifizierungsverfahren bei der Europäischen Kommission. Eine finale Entscheidung wird in den kommenden Monaten erwartet.

Roland Helle, Apotheker und Geschäftsführer der Versandapotheke mycare.de, erklärt, welche Auswirkungen die Änderung für Patienten hätte:

Neue Anforderungen an Verpackung und Transport
„Die geplante Änderung der Apothekenbetriebsordnung würde dazu führen, dass Arzneimittel für Patienten teurer werden. Künftig sollen entlang der gesamten Lieferkette umfassende Dokumentationspflichten und eine durchgängige Temperaturkontrolle vorgeschrieben werden. In der Praxis würde das bedeuten, dass Sendungen mit besonders geprüften Spezialverpackungen ausgestattet, mit elektronischen Temperatur-Loggern versehen und während des gesamten Transports lückenlos dokumentiert werden müssten. Hinzu kämen Prozesse zur Auswertung, Archivierung und gegebenenfalls Rückführung der eingesetzten Logger. Damit würde der Versand deutlich komplexer, bürokratischer und kostenintensiver werden.“

Für Versandapotheken gibt es unter diesen Bedingungen im Grunde nur zwei Optionen: Entweder sie beauftragen spezialisierte Transportdienstleister mit kontrollierten klimatischen Bedingungen oder sie bauen eine eigene qualifizierte Transportstruktur auf, die sämtliche Pakete beispielsweise aus unserem Lager in Lutherstadt Wittenberg bundesweit zu den Patienten bringt. Beide Wege wären im Massengeschäft mit mehreren tausend Sendungen täglich mit erheblichen Mehrkosten verbunden.“

Was das konkret für Patienten bedeutet
„Nehmen wir an, die durchschnittlichen Versandkosten pro Paket liegen heute bei rund vier Euro. Wenn künftig eine Spezialverpackung eingesetzt werden muss, entstehen dafür zusätzliche Kosten von etwa 1,50 bis 2 Euro pro Sendung. Ein elektronischer Temperatur-Logger schlägt vermutlich mit weiteren zwei bis drei Euro zu Buche. Hinzu kommen zusätzliche Prozess- und Dokumentationskosten von etwa 0,50 bis 1 Euro pro Paket. In Summe ergibt das eine Mehrbelastung von rund vier bis fünf Euro je Sendung. Die Versandkosten würden sich damit in etwa verdoppeln. Da diese Mehrkosten aber nicht einfach über eine höhere Versandpauschale weitergegeben werden können, würden sie sich zwangsläufig in den Preisen von OTC-Arzneimitteln widerspiegeln.

Bei mehreren tausend Paketen pro Werktag summiert sich eine zusätzliche Belastung von vier bis fünf Euro je Sendung auf etwa fünf bis 6,25 Millionen Euro pro Jahr. Diese Summe müsste am Ende über höhere OTC-Preise von den Patienten getragen werden. Für eine typische Bestellung im Wert von 40 Euro entspräche eine zusätzliche Belastung von vier bis fünf Euro einer Preissteigerung von rund zehn bis zwölf Prozent allein durch neue regulatorische Anforderungen.“

Versand als unverzichtbarer Teil der Versorgung
„Der Versand von Arzneimitteln ist für viele Patienten ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland haben heute einen längeren Weg zur nächsten Apotheke als noch vor wenigen Jahren, weil Apotheken geschlossen wurden und die Versorgungsdichte abnimmt. Gerade in strukturschwächeren oder ländlichen Regionen sind Apotheken teils nur mit langen Anfahrtswegen erreichbar, häufig ohne verlässliche Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Ältere, chronisch kranke oder mobilitätseingeschränkte Menschen sowie Patienten in unterversorgten Regionen können ihre Medikamente oft nicht ohne Weiteres selbst abholen. Zudem gibt es spezialisierte Arzneimittel, die nicht überall unmittelbar verfügbar sind. Wenn regulatorische Vorgaben den Versand deutlich verteuern oder faktisch erschweren, trifft das am Ende vor allem diejenigen, die auf eine verlässliche, bezahlbare und niedrigschwellige Versorgung angewiesen sind.“

Über mycare.de

mycare (www.mycare.de) Als eine der ersten Versandapotheken Deutschlands hat mycare.de den deutschen Markt seit 2001 nachhaltig verändert. Neben einem umfangreichen Onlineshop mit über 90.000 Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten bietet mycare.de vielfältige Dienstleistungen zur persönlichen Gesundheitsversorgung an. In einem modernen Apothekenlabor stellt mycare.de individuelle Arzneimittel nach höchster pharmazeutischer Qualität her, darunter Hormontherapien, homöopathischer Mittel, Hautcremes und medizinisches Cannabis. Jede Arzneimittelbestellung wird individuell von Fachpersonal nach höchster pharmazeutischer Qualität angefertigt und geprüft. Zu den weiteren Dienstleistungen von mycare.de gehören der Arzneimittel- und Hausapotheken-Check sowie der Tabletten-Service MEDPAC. Als regionaler Großversorger beliefert mycare.de medizinische Einrichtungen in ganz Deutschland mit Arzneimitteln, Hilfsmitteln und Verbandstoffen und sorgt zudem für die umfassende Versorgung von Patient:innen im Heimbereich. Eine persönliche Beratung erfolgt sowohl telefonisch und per E-Mail als auch an drei Apothekenstandorten in Lutherstadt Wittenberg.

 
Pia Senkel
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