Tonka

Credit: Claude Gabriel
Hannover/Berlin, 08. Oktober 2026

TÜV NORD und Carly schaffen mehr Transparenz beim Gebrauchtwagenkauf

Auf einen Blick

  • TÜV NORD und Carly haben rund 6,6 Millionen Fahrzeug-Scans ausgewertet.
  • Bei jedem neunten Scan in Deutschland gibt es Hinweise auf Tachomanipulation.
  • In 82,8 Prozent der Scans ist ein Fehler in der Kfz-Elektrik gespeichert.

Hannover/Berlin, 8. Oktober 2026 – Bei jedem neunten in Deutschland ausgelesenen Fahrzeug-Scan gibt es Hinweise auf eine mögliche Tachomanipulation. Das zeigt eine gemeinsame Untersuchung des TÜV Nord und der Cartech-Firma Carly, welche kürzlich zusammen mit der TÜV NORD Onboard Car Diagnosis – powered by Carly in Berlin vorgestellt wurde. Hierfür wurden rund 6,6 Millionen Fahrzeug-Scans untersucht. Das Ergebnis: Neben den Hinweisen auf Tachomanipulation fand sich in 82,8 Prozent der Scans mindestens ein Fehlereintrag im Bereich Kfz-Elektrik.

„Ein Gebrauchtwagen hat heute zwei Zustände: den sichtbaren und den digitalen. Während Optik, Tacho und Scheckheft nur einen Teil der Geschichte eines Fahrzeugs erzählen, liefern die Steuergeräte zusätzliche Informationen. Mit der Verbindung unserer Prüfkompetenz und digitaler Fahrzeugdaten schaffen wir eine weitere Ebene der Transparenz und machen den technischen Zustand eines Fahrzeugs besser überprüfbar“, sagt Hartmut Abeln, CEO von TÜV NORD Mobilität.

Jeder neunte Scan in Deutschland zeigt Hinweise auf Tachomanipulation
Besonders relevant für Käufer:innen ist der Blick auf den Kilometerstand. Moderne Fahrzeuge speichern Informationen zur Laufleistung nicht ausschließlich im Kombiinstrument, sondern in mehreren Steuergeräten. Wird lediglich der Tachostand verändert, können in anderen Steuergeräten höhere Kilometerstände zurückbleiben. Die gemeinsame Auswertung zeigt: Bei 11,5 Prozent der ausgewerteten Scans aus Deutschland liegt mindestens ein ausgelesener Kilometerstand über dem angezeigten Tachostand. Über alle untersuchten Märkte hinweg liegt der Anteil bei 10,0 Prozent.

Dabei wird ein Scan, der zeigt, dass mindestens ein im Fahrzeug gefundener Kilometerstand höher ist als der angezeigte Tachostand, als Hinweis auf eine Manipulation gewertet. Allerdings sind die Werte ausdrücklich als Obergrenze zu verstehen. Fälle wie der Austausch eines Kombiinstruments oder eines Steuergeräts sowie Umrechnungen von Meilen wurden in der vorliegenden Auswertung noch nicht durch Plausibilitätsfilter bereinigt.

„Je mehr Informationen über den tatsächlichen Zustand eines Fahrzeugs verfügbar sind, desto besser lassen sich Entscheidungen beim Gebrauchtwagenkauf auf eine nachvollziehbare Grundlage stellen. Genau hier setzt unsere Zusammenarbeit mit TÜV NORD an. Mit Carly Vista machen wir dieselben Daten auch für Händler und andere Unternehmen der Branche auswertbar, zum Beispiel, um Kilometerstände über ganze Fahrzeugbestände hinweg zu prüfen“, sagt Avid Avini, CEO von Carly.

Fehlerspeicher dokumentieren den digitalen Zustand eines Fahrzeugs
Neben dem Kilometerstand ermöglicht die Onboard Car Diagnosis einen detaillierten Blick auf die gespeicherten Fehlereinträge eines Fahrzeugs. Das System analysiert Fehlercodes auf OEM-Ebene und kann damit über generische OBD-Codes hinausgehen. Die Daten zeigen, wie umfangreich die digitale Diagnose moderner Fahrzeuge inzwischen ist: 82,8 Prozent der ausgewerteten Scans enthalten mindestens einen Eintrag im Bereich Kfz-Elektrik. Bei der Spannungsversorgung und im Bordnetz liegt der Anteil bei 66,7 Prozent. Weitere häufige Kategorien sind Motorsensorik mit 59,9 Prozent, Kraftstoffaufbereitung mit 45,4 Prozent, Heizung und Klimaanlage mit 38,0 Prozent sowie Ausstattung mit 36,4 Prozent.

Dabei gilt: Ein gespeicherter Fehlercode bedeutet nicht automatisch, dass aktuell ein sicherheitsrelevanter Defekt vorliegt. Die Auswertung umfasst auch sporadische oder historische Einträge. Zudem können bei einem Scan mehrere Fehlerkategorien gleichzeitig auftreten. Zu den in der Auswertung identifizierten Fehlern gehören unter anderem Probleme mit Ladedrucksystemen und Turboladern, Bremsverschleiß, Fehler an Motorsensorik und Kraftstoffaufbereitung sowie Einträge im Bereich von Abgasnachbehandlung und Dieselpartikelfiltern. Die geschätzten Reparaturkosten einzelner häufiger Fehler reichen oft von mehreren hundert bis zu mehreren tausend Euro.

Digitale Fahrzeugdaten ergänzen die klassische Prüfung
Die Ergebnisse zeigen zudem, warum der digitale Fahrzeugzustand eine wichtige Ergänzung zur klassischen Fahrzeugprüfung sein kann. Die Hauptuntersuchung liefert eine unabhängige sicherheitsbezogene Perspektive auf das Fahrzeug. Die digitale Diagnose ermöglicht darüber hinaus einen Blick auf gespeicherte Informationen aus den Steuergeräten, die bei einer Sichtprüfung nicht auffallen.

„Transparenz im Gebrauchtwagenmarkt entsteht nicht durch einen einzelnen Datenpunkt, sondern durch die Verbindung verschiedener Datenquellen. Die Hauptuntersuchung, die Fahrzeughistorie und die digitale Diagnose beantworten unterschiedliche Fragen. Gemeinsam können sie dabei helfen, den tatsächlichen Zustand eines Fahrzeugs besser nachvollziehbar zu machen“, erklärt Hartmut Abeln.

Mehr Daten für einen transparenteren Gebrauchtwagenmarkt
Für TÜV NORD und Carly ist die digitale Diagnose damit ein weiterer Baustein für einen transparenteren Gebrauchtwagenmarkt. Ziel ist es, Fahrzeugdaten standardisiert und nachvollziehbar nutzbar zu machen – für Händler ebenso wie für Käuferinnen und Käufer.

„Je mehr Informationen über den tatsächlichen Zustand eines Fahrzeugs verfügbar sind, desto besser lassen sich Entscheidungen beim Gebrauchtwagenkauf auf eine nachvollziehbare Grundlage stellen. Genau hier setzt unsere Zusammenarbeit mit TÜV NORD an“, sagt Avid Avini.

Über die Untersuchung
Die gemeinsame Datenbasis umfasst über 6 Millionen Scans im letzten halben Jahr, davon rund die Hälfte aus Deutschland. Ausgewertet wurden Fahrzeuge verschiedener Segmente mit einem Schwerpunkt auf Fahrzeugen ab Baujahr 2000. Die statistische Einheit ist jeweils ein Scan – ein Fahrzeug kann daher mehrfach in der Datenbasis vertreten sein.

Über TÜV NORD Mobilität
TÜV NORD Mobilität bietet Dienstleistungen rund um Fahrzeugprüfung, Verkehrssicherheit und Mobilität. Im Rahmen der Hauptuntersuchung überprüft TÜV NORD sicherheitsrelevante Systeme von Fahrzeugen. Mit der TÜV NORD Onboard Car Diagnosis – powered by Carly wird diese Prüfkompetenz um eine digitale, mobile Fahrzeugdiagnose ergänzt.

Über Carly

Carly ist eine innovative Car-Tech-Firma aus München, die sich seit 2014 auf die Entwicklung von Technologien und Lösungen für die Fahrzeugreparatur und -wartung spezialisiert hat. Das Unternehmen stellt einen Adapter und eine dazugehörige App zur Verfügung, mit denen Verwender:innen durch das Auslesen aussagekräftiger Daten wertvolle Informationen über den Zustand ihrer Autos und gleichzeitig Expert:innen-Tipps erhalten. Carly betreibt außerdem eine Community in zwanzig Sprachen, auf der sich Nutzer weltweit zu Autoproblemen austauschen, und stellt mit dem Carly Reparaturkostenrechner eine wichtige Hilfe zur Reparaturkosteneinschätzung bereit – beides kostenfrei. 

Außerhalb des deutschsprachigen Markts agiert das Unternehmen vor allem in Europa und den USA, und vereint mittlerweile mehr als zwei Millionen Nutzer:innen auf seiner Plattform. Carly verbindet moderne Technologie mit einer bedienungsfreundlichen Plattform und funktioniert für alle gängigen Automarken. Carly ist zudem Technologiepartner von TÜV NORD (gemeinsame Entwicklung des TÜV Nord Onboard Car Diagnosis Systems) und Sixt Car Sales und bietet seine Lösungen und Technologien unter dem Namen Carly Enterprise Geschäftskunden aus der Automobilindustrie an.

 
Maximilian Adam
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