Tonka

Credit: Eduardo Soares
Brüssel, 25. November 2025

IBAN-Diskriminierung behindert Expats und europäische Zuwanderer in Deutschland: SEPA-ratiert statt integriert

Auf einen Blick

  • Die Brancheninitiative Accept my IBAN zeigt, dass die Diskriminierung ausländischer IBAN-Konten in Deutschland immer mehr zunimmt 
  • Deutschland zählt zu den Top-3-Ländern mit den meisten Fällen von IBAN-Diskriminierung in der SEPA-Region
  • Trotz eindeutigem EU-Recht lehnen zahlreiche deutsche Verkehrsbetriebe – darunter Anbieter des Deutschlandtickets und regionale Beförderer wie die Berliner BVG – ausländische IBAN-Konten ab und schließen so Expats gezielt vom Kauf aus 
  • 21,9 Prozent der gemeldeten Fälle von IBAN-Diskriminierung betreffen Deutsche im europäischen Ausland

Brüssel, 25. November 2025 – Die EU-Verordnung Nr. 260/2012 schreibt bereits seit 2014 vor, dass Unternehmen jede IBAN aus dem SEPA-Raum akzeptieren müssen – unabhängig vom Herkunftsland. Doch viele Unternehmen missachten diese Regelung bis heute. Die 2021 gegründete Initiative „Accept my IBAN“ sammelt und dokumentiert diese Verstöße und hat in nur vier Jahren rund 4.900 rechtswidrige Fälle erfasst. Diese Zahl umfasst nur gemeldete Verstöße – die tatsächliche Dunkelziffer dürfte viel höher ausfallen. Allein 2024 gab es laut dem Statistischem Bundesamt rund 1.694.000 Zuzüge nach Deutschland, viele davon aus EU-Staaten. Das Problem betrifft somit potenziell Hunderttausende Verbraucher:innen, die in Deutschland leben, arbeiten und zahlen möchten, aber bei alltäglichen Vorgängen wie dem Kauf eines Bahntickets benachteiligt werden, sofern sie kein Konto mit einer deutschen IBAN besitzen. 

Eine aktuelle Auswertung des Technologieunternehmens Wise (www.wise.com) zeigt: Deutschland ist das Land mit den drittmeisten Fällen von IBAN-Diskriminierung. Gleichzeitig betrifft ein Fünftel (21,91 Prozent) der bisher registrierten Fälle Verbraucher:innen mit einer deutschen IBAN im SEPA-Raum.

Das sind die Auswirkungen auf Verbraucher:innen
Laut „Deutsche im Ausland“ leben rund 1,8 Millionen Deutsche im EU-Ausland. Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung von Wise zeigen, dass rund 21,9 Prozent der gemeldeten Diskriminierungsfälle auch deutsche IBANs im Ausland betreffen. Demnach können Deutsche, die im Ausland leben oder arbeiten, trotz eines gültigen deutschen Kontos nicht überall im SEPA-Raum alltägliche Verträge wie Handy-, Streaming- oder Stromverträge abschließen. Das erschwert ihnen nicht nur das Bezahlen, sondern auch die Teilhabe am alltäglichen Leben massiv.

Genauso betroffen sind Ausländer:innen in Deutschland: Bei mehr als 600 Unternehmen und Institutionen wurde eine IBAN-Diskriminierung gemeldet und 17 Prozent aller registrierten Fälle traten in Deutschland auf. Das heißt, dass europäische Zuwanderer mitunter keinen Mobilfunkvertrag abschließen, kein Deutschlandticket kaufen oder keinen Vertrag bei bestimmten Stromanbietern abschließen können, nur weil sie kein deutsches Bankkonto haben. Damit liegt ein klarer Verstoß gegen geltendes EU-Recht vor.

Eine Herausforderung, die im Kontext des Fachkräftemangels umso schwerwiegender ist, denn auch in diesem Jahr fällt Deutschland im InterNations-Ranking der beliebtesten Länder für Expats zurück und belegt den Platz 42 von 46. Im Ranking werden die Länder anhand des sogenannten Expat Essentials Index bewertet. Dieser Index behandelt alle wesentlichen Themen rund um das Leben und Ankommen in einem Land. Deutschland kämpft laut Bericht mit digitalen Prozessen (letzter Platz im Index) und Verwaltungsthemen (Platz 46 bzw. 42). Die IBAN-Diskriminierung ist ein konkreter Punkt, der die Eingewöhnung für Expats im Land merklich erschwert.

Unternehmen, die ungestraft davonkommenDie konkreten Folgen bei Verstößen hängen vom jeweiligen Land, den zuständigen Behörden und der nationalen Rechtsdurchsetzung ab. In Deutschland gibt es beispielsweise keine allgemein festgelegten nationalen Bußgelder für Unternehmen, die gegen das EU-Recht verstoßen. Dass Unternehmen in Deutschland bei IBAN-Diskriminierung kaum Konsequenzen zu befürchten haben, wird unter anderem beim Deutschlandticket deutlich: Bereits im Sommer 2023 hat Wise darauf aufmerksam gemacht, dass das damalige 49-Euro-Ticket nur mit einer deutschen IBAN gekauft werden kann. Die Auswertung zwei Jahre später zeigt, dass auch das 59-Euro-Ticket immer noch nur mit einer deutschen IBAN abonniert werden kann. Erasmus-Student:innen, Expats und Einwanderer:innen werden dadurch bei der Nutzung des öffentlichen Fernverkehrs behindert, solange sie noch kein deutsches Konto besitzen. 

Ein Viertel der Fälle von IBAN-Diskriminierung in Deutschland betrifft die Finanzbranche27 Prozent der gemeldeten Fälle betreffen Zahlungsprozesse von Unternehmen oder Institutionen aus dem Finanzsektor. In einigen Fällen wird beispielsweise keine Schufa-Auskunft ausgestellt, was wiederum dazu führt, dass Bewerbungen auf Wohnraum scheitern. Das erschwert nicht nur alltägliche Abläufe, sondern behindert auch die Integration. Der öffentliche Sektor, darunter das Deutschlandticket und Verkehrsbetriebe, macht 18 Prozent der Fälle aus und liegt damit vor Telekommunikationsunternehmen (16 Prozent) und dem E-Commerce-Bereich (12 Prozent).

Magali Van Bulck, Head of Policy & Campaigns (EMEA) bei Wise, sagt:Trotz klarer EU-Regeln, die Unternehmen zur Akzeptanz aller EU-IBANs verpflichten, bleibt IBAN-Diskriminierung in vielen Ländern – auch in Deutschland – praktisch folgenlos. So stellte das Oberlandesgericht München am 17. Oktober 2024 fest, dass ein Energieversorger gegen EU-Recht verstoßen hat, weil er Rückzahlungen nur auf deutsche Konten erlaubte. Eine echte Strafe gab es nicht – das Unternehmen musste die Praxis lediglich einstellen. Das zeigt das Kernproblem: In Deutschland fehlen klare Sanktionen und  viele Unternehmen nehmen das Risiko bewusst in Kauf. Verbraucher:innen sollten Verstöße über die Plattform „Accept my IBAN“ sowie bei den *zuständigen Behörden melden. Nur durch konsequente Dokumentation und Beschwerden steigt der Druck auf Unternehmen und Gesetzgeber, EU-Recht endlich durchzusetzen – damit Zahlungen überall in der EU möglich sind, unabhängig von den ersten beiden Buchstaben der IBAN.”

Eine Übersicht der IBAN-Diskriminierung im SEPA-Ländervergleich finden Sie hier.
Eine Übersicht der IBAN-Diskriminierung in Deutschland nach Branchen finden Sie hier.
Eine Übersicht der IBAN-Diskriminierung im SEPA-Raum nach Branchen finden Sie hier.
Eine Übersicht der IBANs, die im SEPA-Raum am häufigsten diskriminiert wurden, finden Sie hier.
Beispiele zu Fällen aus Deutschland oder mit einer deutschen IBAN finden Sie hier.

Über Accept my IBAN
Accept My IBAN ist ein Zusammenschluss von Unternehmen, die sich für ein Ende der IBAN-Diskriminierung im SEPA-Raum einsetzen, indem sie das Ausmaß der Problematik erfassen und aufzeigen. Bei der Gründung bestand die Koalition aus den Fintechs Wise (Gründer), N26, Revolut, Klarna, SumUp, raisin. Seitdem haben sich viele Organisationen der Koalition angeschlossen: Starling, Fire, Monese, Finom, Railsr, estnisches E-Residency-Programm, Contis, ConnectPay, Payoneer, Monneo, Modulr, Safenetpay, RationalFX, Yuropay, Truelayer, IAMTN.

Über Wise

Wise (www.wise.com) ist ein globales Technologieunternehmen, das die beste Art und Weise entwickelt, das Geld der Welt zu bewegen und zu verwalten. Mit dem Wise-Konto und Wise Business können Menschen und Unternehmen 40 Währungen halten, Geld zwischen Ländern bewegen und Geld im Ausland ausgeben. Auch große Unternehmen und Banken nutzen die Technologie von Wise – ein völlig neues Netzwerk für das Geld der Welt. Wise ist eines der am schnellsten wachsenden und profitabelsten Technologieunternehmen der Welt. Es wurde 2011 gegründet und ist an der Londoner Börse unter dem Kürzel WISE notiert. Im Geschäftsjahr 2024 unterstützte Wise rund 12,8 Millionen Menschen und Unternehmen, wickelte mehr als 142 Milliarden Euro an grenzüberschreitenden Transaktionen ab und sparte den Kunden über 2,2 Milliarden Euro.

 
Klaas Geller
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