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München, 16. Juni 2026

Deutschlands Lehrpläne im Check: KI-Inhalte im Unterricht die Ausnahme

Auf einen Blick

  • Die Macromedia University of Applied Sciences analysiert die Lehrpläne der Sekundarstufe I und II aus allen 16 Bundesländern auf KI-Lerninhalte 
  • In der Mittelstufe (Sek I) taucht KI nur in rund 31 Prozent der untersuchten Lehrpläne auf, in der Oberstufe (Sek II) in rund 48 Prozent
  • In Bremen und Thüringen fehlt KI sowohl in Sek I als auch in Sek II Lehrplänen komplett

München, 16. Juni 2026Künstliche Intelligenz ist in den Lehrplänen der Sekundarstufe I (Klassen fünf bis zehn) in Deutschland bislang die Ausnahme: Sie wird nur in rund 31 Prozent der Lehrpläne erwähnt. In der Sekundarstufe II (Klassen 11 bis 13) wird das Thema zwar häufiger behandelt und taucht in rund 48 Prozent der Lehrpläne auf, bleibt jedoch meist ohne konkrete Kompetenzanforderungen. Das zeigt eine Analyse der Macromedia University of Applied Sciences. Untersucht wurden die Lehrpläne aus allen 16 Bundesländern in ausgewählten Fächern aus den Bereichen Informatik, Ethik, Gesellschaft/Politik sowie Medienbildung, die den drei Fachgruppen „gesellschaftlich-ethisch“, „informatikbezogen“ und „medienbezogen“ zugeordnet werden. 

Nur zehn Bundesländer behandeln KI in der Mittelstufe
In der Sekundarstufe I wird KI in zehn von 16 Bundesländern thematisiert (63 Prozent). Betrachtet man jedoch die einzelnen Lehrpläne, relativiert sich dieses Bild: Von 82 untersuchten Lehrplänen enthalten nur 25 einen Bezug zu KI (31 Prozent), während sie in 57 Lehrplänen (70 Prozent) gar keine Rolle spielt.

Wenn KI vorkommt, dann überwiegend nur eingeschränkt: In sechs Lehrplänen bleibt es bei einer bloßen Erwähnung. In sieben Lehrplänen werden Kompetenzen zur Einordnung und Bewertung von KI beschrieben. Am häufigsten ist die Kombination aus Einordnung und technischem Verständnis (zwölf Lehrpläne), primär in informatikbezogenen Fächern.

In den Bundesländern Berlin, Hessen, Bremen, Baden-Württemberg, Thüringen und Brandenburg taucht KI in der Mittelstufe überhaupt nicht auf.

In der Oberstufe von Bremen, Niedersachsen und Thüringen gibt es keine KI-Lerninhalte
In der Sekundarstufe II wird in 13 Bundesländern KI in den untersuchten Lehrplänen thematisiert (81 Prozent). Nur in Bremen, Niedersachsen und Thüringen kommt KI in den analysierten Fächern gar nicht vor.  Von insgesamt 48 untersuchten Lehrplänen enthalten 23 eine Erwähnung oder Kompetenzbeschreibung (48 Prozent), während in 25 Lehrplänen (52 Prozent) keiner der für die Untersuchung relevanten Suchbegriffe vorkommt. In jeweils sechs Lehrplänen (je 26 Prozent) werden entweder Kompetenzen zur Einordnung und Bewertung von KI vermittelt, oder diese werden mit technischem Verständnis kombiniert. 

„Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz darf nicht vom Engagement Einzelner abhängen, sondern muss als fester Bestandteil schulischer Bildung gedacht werden“, sagt Prof. Dr. Mareike Müller der Macromedia University of Applied Sciences. „Aus unserer Sicht geht es dabei um weit mehr als technische Grundlagen: KI prägt schon heute, wie Informationen entstehen, verbreitet und bewertet werden. Gleichzeitig zeigen unsere Studien, dass Studierende KI längst aktiv nutzen, sich aber klare Orientierung und Anleitung im Umgang damit wünschen. Entsprechend brauchen Schüler:innen verlässliche Orientierung – in Form von Medienkompetenz, kritischem Urteilsvermögen und einem Bewusstsein für Verantwortung. Solange diese Themen nicht verbindlich und systematisch in Lehrplänen verankert sind, bleibt ihre Vermittlung zufällig. Gerade im internationalen Vergleich sollte Deutschland hier klarer priorisieren und Bildung konsequent an den Realitäten einer digital geprägten Welt ausrichten.“

Die Ergebnisse der Untersuchung sind hier abrufbar. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Hochschule. 

Über die Untersuchung
Die Untersuchung basiert auf der Analyse offizieller, aktuell gültiger Lehrpläne der 16 Bundesländer für ausgewählte Fächer der Sekundarstufen I (Klassen 5 bis 10) und II (Klassen 11 bis 13). Berücksichtigt wurden Fächer aus den Bereichen Informatik, Ethik, Gesellschaft/Politik sowie Medienbildung, die den Fachgruppen informatikbezogen, gesellschaftlich-ethisch und medienbezogen zugeordnet wurden. Da sich Fachbezeichnungen und Strukturen zwischen den Bundesländern unterscheiden, erfolgte die Auswahl über diese Fachgruppen. Für jede Schulstufe (hier auch jede Schulform, z. B. Realschule, Hauptschule, Gesamtschule, Gymnasium) und jedes Bundesland wurden nach Möglichkeit Lehrpläne aus allen drei Fachgruppen berücksichtigt. Die Lehrpläne wurden systematisch anhand definierter Suchbegriffe zu künstlicher Intelligenz durchsucht.

Die Codierung erfolgte anhand folgender Kategorien: keine Erwähnung, bloße Erwähnung, reflektierte Kompetenzbeschreibung (Einordnung und Bewertung von KI) sowie technische Kompetenzbeschreibung (Verständnis von Funktionsweise und Aufbau von KI). Mehrfachcodierungen waren möglich.

Die Lehrpläne unterscheiden sich in Struktur, Umfang und Aktualität. Die Ergebnisse bilden daher den Stand der offiziellen Dokumente ab und erlauben keine Aussagen über die tatsächliche Unterrichtspraxis. Erhebungszeitraum: März 2026

Über Macromedia

Die Macromedia University of Applied Sciences ist eine führende private Hochschule vertreten in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig, München, Stuttgart, Düsseldorf, Freiburg und Hannover. Aktuell zählt sie rund 5.500 Studierende und bietet ein vielfältiges Studienportfolio an. Das Angebot umfasst staatlich anerkannte Bachelor- und Masterabschlüsse in deutscher und englischer Sprache. Mit 15 Studiengängen und knapp 50 Vertiefungsrichtungen deckt die Hochschule ein breites Spektrum ab – von Management, Medien und Kommunikation über digitale Technologien und Design bis hin zu Psychologie, Games, Journalismus, Film, Fashion und Musik. Als praxisorientierte Hochschule bereitet die Macromedia ihre Studierenden optimal auf die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt vor.

 
Desiree Engel
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