Tonka

München, 30. Juni 2026

Bundestags-Analyse: Oppositionsführer:innen dominieren das Plenumpult bei Reden und Anträgen

Auf einen Blick

  • Die Macromedia University of Applied Sciences hat die parlamentarische Beteiligung von Abgeordneten in Führungspositionen, differenziert nach Fraktion, Rolle und Bundesland analysiert.
  • 3.699 Anträge und Entschließungen, 2.648 Redebeiträge und 188 Zwischenfragen gab es im ersten Jahr der laufenden Legislaturperiode 
  • Rund 92 Prozent aller Anträge und Entschließungen gehen auf Oppositionsfraktionen zurück – bei nahezu gleichem Redeanteil im Plenum.

München, 30. Juni 2026 – Wer spricht im Bundestag, wer stellt Fragen, wer bringt Anträge ein? Und wie unterscheiden sich dabei Koalition und Opposition, Fraktionsvorsitzende und Ausschussvorsitzende? Eine neue Untersuchung der Macromedia University of Applied Sciences (www.macromedia-fachhochschule.de) hat die parlamentarische Beteiligung von Abgeordneten in Führungspositionen im ersten Jahr der laufenden Legislaturperiode systematisch ausgewertet. Mehr als 90 Prozent der Anträge und Entschließungen kommen aus der Opposition, während der Redeanteil im Plenum zwischen Opposition und Koalition nahezu ausgeglichen ist. 

Redebeiträge, Zwischenfragen und Anträge: Wer ist wie aktiv? 
Das Spitzenpersonal aus der CDU/CSU-Fraktion hat mit 33,35 Prozent den größten Anteil der Redebeiträge, gefolgt von den Vertreter:innen der Linken mit 24,70 Prozent und den Grünen mit 19,34 Prozent. Am wenigsten waren die AfD-Spitzenpolitiker:innen mit nur 4,95 Prozent der Redebeiträge. 

Von den 188 Zwischenfragen entfallen 69,15 Prozent auf Abgeordnete der Grünen-Fraktion. Abgeordnete in Führungspositionen aus den beiden Regierungsfraktionen (CDU/CSU: 8,51 Prozent, SPD: 5,32 Prozent) sowie aus der AfD (6,91 Prozent) haben deutlich weniger Zwischenfragen gestellt.  

Opposition stellt deutlich mehr Anträge und Zwischenfragen
Oppositionsfraktionen stellen 86,17 Prozent aller Zwischenfragen und 91,75 Prozent aller Anträge und Entschließungen, bei einem Anteil von 48,98 Prozent an den Redebeiträgen. Auf die Koalitionsfraktionen entfallen 51,02 Prozent der Redebeiträge, aber nur 13,83 Prozent der Zwischenfragen und 8,25 Prozent der Anträge. 

Wer hält am meisten Reden und wer beteiligt sich am wenigsten? 
Unter den untersuchten Führungspersönlichkeiten ragen einige durch besonders viele Redebeiträge heraus. Mit 31 Redebeiträgen hält der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Markus Frohnmaier den höchsten Wert, gefolgt von der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Linken, Clara Bünger, und dem kommissarischen Vorsitzenden des Finanzausschusses, Christian Görke (Linke), die jeweils 30 Mal am Plenumpult zu Wort kamen. Die stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Beatrix von Storch kommt auf 25 Redebeiträge, während der Fraktionschef der Linken Sören Pellmann, die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Esra Limbacher und die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen Irene Mihalic jeweils 20 Reden verzeichnen. 

Deutlich zurückhaltender treten einige Führungskräfte aus den Regierungsfraktionen in Erscheinung. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dagmar Schmidt ist Schlusslicht mit gar keinem Redebeitrag im ersten Jahr der Legislaturperiode. Mit einem Redebeitrag im Plenum folgt die Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, Mechthild Heil (CDU/CSU). Der ehemalige SPD-Bundesgesundheitsminister und heutige Vorsitzende des Forschungsausschusses Karl Lauterbach und der frühere CDU/CSU-Kanzlerkandidat und Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses Armin Laschet kommen auf jeweils zwei Beiträge. Mit drei Redebeiträgen in den ersten zwölf Monaten folgen die Ausschussvorsitzenden für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Hermann Färber (CDU/CSU) und für Europa, Anton Hofreiter (Grüne).

Die Ergebnisse der Untersuchung sind hier abrufbar. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Hochschule. 

Über die Untersuchung 
Für die Untersuchung wurde eine gezielte rollenbasierte Auswahl innerhalb der Fraktionen vorgenommen. Einbezogen wurden Fraktionsvorsitzende, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Erste Parlamentarische Geschäftsführer:innen, Mitglieder des Bundestagspräsidiums sowie Ausschussvorsitzende. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich vom Beginn der 21. Legislaturperiode bis zum 22. April 2026.

Über Macromedia

Die Macromedia University of Applied Sciences ist eine führende private Hochschule vertreten in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig, München, Stuttgart, Düsseldorf, Freiburg und Hannover. Aktuell zählt sie rund 5.500 Studierende und bietet ein vielfältiges Studienportfolio an. Das Angebot umfasst staatlich anerkannte Bachelor- und Masterabschlüsse in deutscher und englischer Sprache. Mit 15 Studiengängen und knapp 50 Vertiefungsrichtungen deckt die Hochschule ein breites Spektrum ab – von Management, Medien und Kommunikation über digitale Technologien und Design bis hin zu Psychologie, Games, Journalismus, Film, Fashion und Musik. Als praxisorientierte Hochschule bereitet die Macromedia ihre Studierenden optimal auf die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt vor.

 
Desiree Engel
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