Köln, 28 Mai 2026 – Jedes Unternehmen in Deutschland ist gesetzlich verpflichtet, einen Betriebsarzt oder eine Betriebsärztin für Beschäftigte zur Verfügung zu stellen. Eine Auswertung von anny (anny.co) zeigt nun, wie diese Pflicht mit der tatsächlichen Versorgungslage zusammentrifft. Bundesweit kommen rechnerisch knapp 11.000 Beschäftigte auf eine:n der rund 4.200 in Deutschland tätigen Arbeitsmediziner:innen. In einzelnen Bundesländern sind es über 16.000.
Wenige Hundert Fachkräfte für Millionen Beschäftigte
Schaut man sich die absoluten Zahlen der Betriebsärzt:innen in den einzelnen Bundesländern an, zeigt sich eine teils geringe personelle Ausstattung. Im Saarland sind es etwa 49 Fachkräfte, in Mecklenburg-Vorpommern 52, in Thüringen 62 und in Bremen 64. Die höchsten absoluten Zahlen weisen Nordrhein-Westfalen (877), Baden-Württemberg (624) und Bayern (587) auf. Zusammen stellen diese drei Länder fast die Hälfte aller bundesweit tätigen Fachkräfte.
Bis zu viermal so viele Beschäftigte pro Arbeitsmediziner:in, je nach Bundesland
Bundesweit kommen auf die rund 46 Millionen Beschäftigten insgesamt 4.202 Arbeitsmediziner:innen. Das entspricht im Durchschnitt 9,14 Fachkräften pro 100.000 Beschäftigte. Die Verteilung zwischen den Bundesländern ist jedoch sehr ungleich. Hamburg hat mit 21,9 Arbeitsmediziner:innen pro 100.000 Beschäftigten die höchste Dichte, gefolgt von Bremen (14,34), Sachsen-Anhalt (13,21) und Berlin (11,57). Am anderen Ende der Skala stehen Sachsen (5,00), Thüringen (6,18) und Brandenburg (6,21). Dort gibt es drei- bis viermal weniger Fachkräfte pro Beschäftigten als in Hamburg.
Das zeigt sich auch in der absoluten Belastung pro Fachkraft. Im Durchschnitt betreut ein:e Arbeitsmediziner:in bundesweit 10.943 Beschäftigte. Die niedrigsten Verhältniszahlen, also die Bundesländer, in denen auf eine Person im betriebsärztlichen Dienst die wenigsten Beschäftigten entfallen, sind Hamburg (4.565), Bremen (6.972), Sachsen-Anhalt (7.567) und Berlin (8.637). Rund um den Bundesdurchschnitt liegen Rheinland-Pfalz (9.791), Baden-Württemberg (10.278), das Saarland (10.537) und Nordrhein-Westfalen (11.219). Deutlich höher fällt die Belastung hingegen in Mecklenburg-Vorpommern (14.433), Brandenburg (16.096), Thüringen (16.193) und Sachsen (18.137) aus. Hier kommen teilweise bis zu 18.000 Menschen auf eine:n Arbeitsmediziner:in.
Ein Drittel der Arbeitsmediziner:innen steht kurz vor dem Ruhestand
Bundesweit sind 33,15 Prozent der Arbeitsmediziner:innen 60 Jahre oder älter. Besonders hoch fällt der Anteil bei der Ärztekammer Nordrhein aus, einer von zwei Kammern in Nordrhein-Westfalen, die jeweils unterschiedliche Regionen des Bundeslandes betreuen: Dort sind 57,62 Prozent der registrierten Fachkräfte in dieser Altersgruppe. Auch im Saarland (51 Prozent) und in Hamburg (50 Prozent) ist mehr als jede zweite arbeitsmedizinische Fachkraft mindestens 60 Jahre alt. Die geringsten Anteile haben Mecklenburg-Vorpommern (30,77 Prozent), Rheinland-Pfalz (30,66 Prozent) und Sachsen-Anhalt (24,46 Prozent).
Insgesamt sind zwei Drittel der Arbeitsmediziner:innen mindestens 50 Jahre alt. In Hamburg (79,5 Prozent) und in der Ärztekammer Nordrhein (78,33 Prozent) ist dieser Anteil besonders hoch. Vergleichsweise niedrig fällt der Anteil in Brandenburg (61,97 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (63,50 Prozent) und Baden-Württemberg (63,59 Prozent) aus.
Jüngere Fachkräfte sind dagegen eine Seltenheit. Der Anteil der unter 40-Jährigen liegt bundesweit auf niedrigem Niveau. Am niedrigsten ist er in Hamburg (5,33 Prozent), Niedersachsen (6,07 Prozent) und Sachsen-Anhalt (6,15 Prozent). Etwas höher, wenn auch weiterhin vergleichsweise niedrig, ist der Anteil im Saarland (8,16 Prozent), in Mecklenburg-Vorpommern (9,62 Prozent) und in Brandenburg (9,86 Prozent).
„Arbeitsmediziner:innen sind für Unternehmen viel mehr als nur eine gesetzliche Pflicht. Sie führen Vorsorgeuntersuchungen durch, beurteilen die Eignung von Mitarbeitenden für bestimmte Tätigkeiten, begleiten die Wiedereingliederung nach längerer Krankheit und beraten bei der Gestaltung sicherer und gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen. Gerade in Branchen mit körperlich anstrengender Arbeit, Schichtdiensten oder hohen psychischen Anforderungen ist ein verlässlicher Zugang zu arbeitsmedizinischer Betreuung entscheidend. Fehlen ausreichend Fachkräfte, verzögern sich Vorsorgeuntersuchungen und Wiedereingliederungsprozesse, mit spürbaren Folgen für den Arbeitsschutz. Wir beobachten, dass Unternehmen angesichts dieser Engpässe zunehmend auf Effizienz durch Digitalisierung setzen, etwa zur effizienteren Terminplanung und Kapazitätssteuerung im betriebsärztlichen Dienst. Ein verlässliches Buchungssystem ist also nicht nur schon heute notwendig, sondern wird auch mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel unerlässlich sein“, sagt Lucian Holtwiesche, Co-Founder von anny.
Mehr über die Untersuchung finden Sie hier:
https://anny.co/blog/betriebs%C3%A4rztliche-versorgung-in-deutschland-gro%C3%9Fe-regionale-unterschiede-alternde-%C3%A4rzteschaft
Über die Untersuchung
Die Analyse basiert auf Daten zur Zahl und Altersstruktur der in Deutschland tätigen Arbeitsmediziner:innen, die von der Bundesärztekammer und verschiedenen Landesärztekammern (Stand: 31.12.2024) bereitgestellt wurden, sowie auf Daten zur Anzahl der Erwerbstätigen am Arbeitsort des Arbeitskreises „Erwerbstätigenrechnung der Länder“ (Stand: Februar 2026). Aus diesen Größen wurden das Verhältnis von Beschäftigten je Arbeitsmediziner:in sowie die Anteile verschiedener Altersgruppen je Bundesland berechnet. Die Auswertung stellt eine Momentaufnahme dar und erlaubt keine Aussagen über die tatsächliche Versorgungsqualität oder die regionale Zugänglichkeit betriebsärztlicher Leistungen im Einzelfall. Projektierte Kapazitätsentwicklungen wurden nicht berücksichtigt.
anny ist ein All-in-One-Buchungssystem für die digitale Organisation von Arbeits-, Lern- und Begegnungsräumen. Die Software ermöglicht die transparente Buchung und Verwaltung von Ressourcen wie Arbeitsplätzen, Räumen, Events oder Terminen, inklusive Auslastungsanzeigen, Wartelisten, Kalender-Synchronisation und integrierter Zahlungsabwicklung.Organisationen nutzen anny, um knappe Kapazitäten fair und planbar zu vergeben, Prozesse zu vereinfachen und Auslastung effizient zu steuern. Zum Einsatz kommt die Lösung unter anderem bei Unternehmen mit hybriden Arbeitsmodellen, Coworking Spaces, Event- und Bildungsanbietern sowie bei Universitäten, Bibliotheken und öffentlichen Einrichtungen.anny ist webbasiert, mobil nutzbar und lässt sich unter anderem in gängige Kalender- und IT-Systeme integrieren. Ziel ist es, Buchungsprozesse zu vereinfachen, für Betreiber wie für Nutzer:innen, und unnötigen organisatorischen Aufwand zu reduzieren.